Freiheit

Zum ersten mal in ihrem Leben fühlte sie sich wahrhaft frei...
Die Luft zog hart an ihr vorbei, ihre Augen tränten, ihre Klamotten flatterten, sie zog sie aus , so dass sich nur noch ihre langen braunen Haare flackernd dem Wind wiedersetzten.
Es war vorbei, sie war nun endlich erlöst und diese Sekunden kamen ihr wie Stunden vor,- schöner als alle anderen Stunden die sie je erlebt hatte,-erleben würde.
Ihr war alles egal, sie war nunmehr an nichts und niemanden gebunden,- nicht an ihre Eltern, die Personen die sie wohl am wenigsten bedachte, sicher sie waren nie fair zu ihr gewesen, aber das war sie ja nun auch nicht, an ihre Freunde bzw. Freundinnen die zwar immer von Hilfe redeten, die sie annehmen sollte, aber niemals welche anboten oder einfach nicht da waren wenn sie sie gebraucht hätte und auch nicht an Normen und Gesetze, sie flog über Alledem.
Doch nach der ersten Minute hatte sie alle ihre Gedanken und Erinnerungen an das schlechte in ihrem Leben geistig abgeworfen, als wäre es nur Ballast.
Aber nun kamen Gedanken in ihr hoch die anders waren, die ihr klar machten wie viel Glück doch unter ihrem Leid verborgen war.
Sie dachte daran wie viel Spaß sie als Kind hatte, als sie noch unbeschwert durchs Leben ging, aber auch die glücklichen Momente inmitten des Leides, an die kurze Beziehung die sie mit Jan damals hatte bevor er starb. Sie dachte sogar an den jungen Man der sich jeden Morgen scheinbar zufällig nach ihr umsah, sie kannte diesen Blick- viel zu oft hatte sie sich auch schon verliebt, aber das war ihr bis jetzt noch nicht aufgefallen, in ihrem Leid hatte sie sowas übersehen, oder nicht wahrhaben wollen....
Ihr wurde plötzlich bewusst das sie fiel.
Ihr wurde kalt, nein ihr war vorher schon kalt gewesen, aber nun nahm sie es war.
Sie sah den Boden näher kommen:
200m
Sie bemerkte das sie nicht über einem Feld, sondern mitten in eine Stadt fiel, hoffentlich würde sie nicht noch Unschuldige mit sich reißen.
100m
Sie verschwendete ein paar Gedanken an Rettung,- doch sie war nackt hatte nichts mehr, ihre Klamotten und der Fallschirm würden nicht plötzlich schneller fallen und selbst dann gab es die Frage ob sich der Fallschirm noch rechtzeitig öffnen würde.
50m
Sie schloss die Augen sie wollte nicht sehen wen oder was sie genau traf.
20m
Es war vorbei, eine Zehntel Sekunde vielleicht noch, dann war es endgültig vorbei, oder doch, was war wenn es Himmel und Hölle nun doch gab?
5m
Sinn,- sie hatte keinen in ihrem Leben gefunden, aber gab es einem in diesem Tod?

©schepper

brennende Herzen

....es fing an mit ein bisschen Glut.... etwas was dieses Herz vielleicht schon mal gesehen hatte... vielleicht war es auch schon mal so gewesen... aber sonst wuchs sie nie........ sie war klein... aber sie wärmte es... ihm war schon bewusst das ein Teil seines ichs brannte... doch es genoss es und so breitete es sich aus..... ein kleine Flamme entstand... das Herz genoss diese Flamme immer noch.... doch bald brannte es lichterloh.... die Sehnsucht hatte es angezündet.... die Sehnsucht nach Gemeindschaft mit einem anderem Herzen.... und die Hoffnung auf diese Gemeindschaft lieferte den Brennstoff.... dem Herz war heiß, aber angenehm heiß.... doch die Hoffnung verließ dieses Herz... und nun blieb einfach die Frage ob es niederbrennen würde bis nichts mehr blieb oder ob jemand es löschen konnte... doch jemand sah nur das Feuer das das Herz umfing... nicht die unendliche Sehnsucht die immer noch das Feuer schürte.... dieser jemand wusste sich nicht anders zu helfen um dieses Herz zu löschen... es war nichts anderes in der Nähe.... und so trat dieser jemand es aus... und jetzt liegt es da.... und blutet, doch der Pyromane fackelt immer noch an ihm herum.... und das einzige an was dieses arme Herz noch denken kann ist Schmerz.... es sieht nicht weshalb... es sieht nicht einmal wer dieser jemand war... vielleicht sogar sein Körper den es doch versorgen muss... oder die Seele, der Verstand der in ihm steckt...... der jemand, der versuchte es zu löschen beugt sich über dieses halb zertretene Herz das qualmt und aus dem hier und da immer noch Flammen um sich schlagen... wer weiß wie lange es dauern wird bis das Herz wieder regeneriert ist... wer weiß ob es fremde Hilfe braucht,- ob es sie will?? .....und das arme Herz liegt dort in der Ecke... nimmt den jemand gar nicht mehr wahr und hofft nur darauf das das Feuer bald erlischt... denn so wie es vorher wärmend war... selbst als es vollkommen in Flammen stand... so sehr schmerzt es jetzt doch.....dieses Feuer... wenn es sich von innen nach außen frisst... es verflucht diesen Pyromanen... doch das Feuer wird es so auch nicht löschen.....

©schepper

T'schuldigung

Der Tag war vorbei. Die, die noch konnten leckten ihre Wunden, andere lagen auf Intensivstation oder waren bereits kalt... doch eines hatten sie gemein,- sie waren sehr gefragt,- die Presse zerriss sich die Mäuler und wie die morgigen Zeitungsartikel titelten würden wusste sich noch keiner von ihnen auszumalen.
Dabei hatte es so harmlos angefangen...
Harald und seine Kumpels waren in die Stadt gefahren um mal richtig einen drauf zu machen, und das hatten sie getan.
Sie waren alle nicht mehr nüchtern, aber Harald konnte kaum noch geradeaus gehen. Sie waren um die 30 Mann als sie an der Gruppe von Türken vorbeigingen, zumindest dachten sie es,- anhand des Aussehens und dessen das sie sie in einer ihnen fremden Sprache reden und lachen hörten.
Harald ging als letzter auf dem schmalen Stück Bahnsteig zwischen Gleisen und der Gruppe vorbei, als er stolperte und einem von ihnen in den Rücken viel...
Ahmet unterhielt sich mit seinen Freunden, als er plötzlich einen stechenden Schmerz im Rücken vernahm, er drehte sich herum und vernahm noch ein „T'schuldigung“ während er ihm einen Stoß vor die Brust gab. Doch während sein Gegenüber nach hinten umfiel bemerkte er das wohl doch nur ein versehen war, denn sein Gegenüber fiel nach hinten weg wie ein nasser Sack, landete etwas oberhalb des Beckens auf dem Bordsteinrand, bevor er sich weiter drehte um letztendlich bäuchlings auf den Gleisen zu landen...
50m links von ihm nahm er ein entsetzliches quietschen wahr. Funken stoben. Doch beim versuch aufzustehen um diesem Zug zu entkommen versagten seine Beine ihm den Dienst,-weder wollten sie sich regen, noch fühlte er sie. Er blickte Richtung Bahnsteig und flehte um Hilfe, doch er sah nur in ein kreidebleiches Gesicht aus dem ihn zwei ungläubige Augen anstarrten...
Ahmet hatte nicht damit gerechnet das dieser Typ so einfach auf die Gleise fiel, und genauso wie seine Freunde, konnte er es kaum fassen.
Der Zug kam näher- er verlor zwar an Fahrt, aber man merkte das der RE eigentlich nicht hier gehalten hätte...
30m...
20m...
15m...
...erst jetzt wurde Ahmet klar das dieser Typ nicht aus eigener Kraft vom Fleck kam. Er setzte zum Sprung auf die Gleise an um ihn zu retten, doch kurz nachdem er den Kontakt zum Boden verlor rissen ihn kräftige Arme zurück- die Arme seiner Freunde...
10m...
....er versuchte es nochmal,- der Zug wurde langsamer, doch er würde es nicht schaffen rechtzeitig zu halten, doch auch diesmal hielten ihn seine Freunde zurück... 5m... von irgendwo aus der Gruppe hörte man es schreien: „Wenn er einen von uns anpisst, muss er mit sowas rechnen!“
Harald hörte diese Worte nicht mehr... er hatte wichtigeres im Kopf,- vielleicht gab es ja doch noch eine Chance- mit aller Kraft probierte er sich zwischen die Gleise zu legen, doch er schaffte es nicht ganz... das eine Beine trennte der Zug ihm am Oberschenkel ab, das andere in Kniehöhe... doch das nahm er nicht wahr vielmehr die Funken, die aus den Rädern stoben und ihm die Haut versengten....
Ahmet hatte die Stimme dessen erkannt, der vor ein paar Sekunden noch, die Worte gesagt hatte die er als unendlich schmerzhaft empfand... und während er auf ihn zuging war alles um ihn ruhig... er nahm nichts mehr war... das erste was er wieder wahrnahm war das Geräusch das das Brechen des Kiefers dieses Typen (er war mal ein Freund aber das hätte er keinem Freund zugetraut) zufolge hatte....
Als der Zugführer die Notbremse zog, hoffte er noch inständig das der Junge wieder rechtzeitig auf den Bahnsteig zurückklettern würde... schon einmal hatte er jemanden überfahren und diese Bilder verfolgten ihn schon all die Jahre... ohne Medikamente konnte er nicht schlafen... und nun schon wieder?
Tobias,- der beste Freund von Harald bemerkte erst das etwas passiert war, als die Notbremsung ausgelöst wurde... er drehte sich um und glaubte seinen Augen kaum... er sah Alles aber er wagte es nicht zu glauben... erst nachdem der Zug über seinen Freund gerollt war, regestrierte er das dieser Türke seinen besten Freund auf dem Gewissen hatte,- ja seine Freunde mussten ihn noch davon abhalten hinterherzuspringen und ihm den Rest zu geben. Er ging auf die Gruppe zu wurde schneller... lief ...diese verdammten Türken...
Er konnte sich nicht mehr erinnern, woher das Blut auf seinen Klamotten stammte als er aufwachte.... er konnte sich auch nicht mehr erinnern was überhaupt passiert war nach dem Tod seines Freundes...
Als Ahmet sich zu der anderen Gruppe umdrehte und noch rief: „Das wollte ich nicht!“ traf ihn schon der erste Tag auf die Schläfe, so dass der sofort in Ohnmacht fiel, vielleicht besser so, denn so musste er nicht mehr miterleben wie immer gefährlichere Waffen zum Einsatz kamen. Oder wie auf beiden Seiten immer neue Mitstreiter hinzukamen... und das es neben Harald noch fünf weitere Tote zu beklagen gab... oder das er nach 6 Monaten der siebte wurde als die Maschinen abgeschaltet wurden....
Ebenso wenig Harald dem unter dem Zug immer schummriger wurde bis er in Ohnmacht viel und sein Herz nur Sekunden später nicht mehr schlug- es wäre auch kein Blut da gewesen das es hätte pumpen können...
Ali lag noch auf Intesiv als der erste kam der von ihm näheres erfahren wollte,- 6 Tote, 12 so schwer verletzt das sie auf Intensiv mussten und 53 langen noch anderswo im Krankenhaus, 73 Personen waren festgenommen....
Seine Gedanken glitten ab- er hörte dem Reporter nicht mehr zu,- denn ihn quälte die Frage, warum er Ahmet festgehalten hatte anstatt ihm zu helfen diesen Typ zu retten, und wer war Schuld?? Wem konnte man hier etwas vorwerfen?

©schepper

Geschwindigkeitsrausch

Er trieb sein Motorrad mit 100 km/h durch die engen Kurven der Stadt,- seine Welt war gerade zusammengebrochen...
Am Anfang der Woche kündigte man ihm seinen Job, nicht weil er gemobbt habe oder wegen zu gringer Leistung,- nein, sondern wegen dem Verhältnis das er mit seiner Chefin begonnen hatte.
Er wusste nicht mehr wie es dazu gekommen war,- aber nach einer Betriebsfeier wachte er plötzlich neben ihr auf.
Doch anstatt entsetzt dreinzublicken und vor ihr mehr oder weniger zu flüchten, hatte er sich nur an sie geschmiegt und war nach kurzem zögern erneut in sie eingedrungen....
Als er endlich ging war es Mittag und seiner Frau erzählte er etwas von wegen Notbesprechung- was sie ihm nach 3 Jahren Ehe ohne weiteres glaubte- so dachte er...
Er liebte sie innigst und doch redeten sie wenig miteinander, schließlich hatten sie beide ihren Job zu erledigen und brauchten dann ja auch irgendwann Ruhe.
Auf jeden Fall hatte sie ihm gekündigt weil ihr der Stress drei bis vier mal am Tag nen Quicky mit ihm zu starten ohne das es die Kollegen merkten zu groß wurde...
Er hatte sich Gedanken gemacht um das Alles... und beichtete es seiner Frau.
Sie ging nur wortlos aus dem Zimmer und die einzigen Geräusche die die Stille teilten waren die Schritte auf dem Parkettboden und die dicken Tränen die auf dem Boden zerplatzten.
Das brach ihr das Herz- er hatte es geschafft den Schwur den er ihr bei ihrer ersten Begegnung gegeben hatte zu brechen.
Ich kann es nicht mehr kleben, flicken oder heilen- das war ihm plötzlich klar, denn er hatte verstanden das ihr der Sonnenaufgang damals egal war als er sie im letzten Moment von den Klippen zurückzog.
Er verstand nicht wieso sie daals springen wollte und die ganze Zeit die er sie kannte trennte sie dieses Unverständnis um ihre tiefe Depression.
Jetzt verstand er.
Er hatte ihr nicht mehr helfen können, als er sie mit einem Grinsen im Gesicht auf dem Ehebett fand- tot und keiner wusste wies geschah, kein Arzt wusste Rat.
Doch er wusste das ihr ganzes ich nur im glauben an einen ehrlichen guten Menschen Leben konnte...
Ihre Geist war gestorben.
"Dein Körper kann ohne Geist nicht leben" dieser Satz aus Matrix hing ihm nach...
-Verkehrsberuhigter Bereich-
Gas!... 110... 120... ein Ball- ein Schatten- ein Aufprall wie auf eine Mauer, ein zweiter Aufprall gegen die knappe Mauer vor dem Fluss... unerträglicher Schmerz... Dunkelheit.

©schepper

Warte

Er kniete über ihr... fuhr mit seinen Händen durch ihre Haare... ihr Duft betörte ihn... und doch wusste er das das keine Zukunft haben konnte... das er nur ein Freund war und mehr niemals aus ihnen werden würde....
Niemals würde er sie ihn die Arme nehmen können wie es Liebende tun, niemals würde er auch nur einen Kuss erhaschen können, niemals würde er seinen Körper an ihren schmiegen... niemals würde er zährtlich ihren Nacken küssen können....
Diese Sehnsucht nach ihr die behersschte ihn ganz.... in diesem Augenblick hätte die Welt untergehn können und das Letzte was er wahrgenommen hätte wäre wohl ihr Körper unter ihm gewesen während er sein Leben für sie gab.
Sie für ein paar Sekunden länger leben zu lassen...
Doch er hatte seine Channche vertan, ihre Antwort war eindeutig eindeutig gewesen- das es niemals was werden könne und das die Freundschaft ihr eeh wichtiger gewesen wäre, selbst wenn sie auch solche Gefühle entwickeln würde. Er streifte ihr nocheinmal sanft durch die Haare ehe er sich wieder neben sie legte um sich dazu zu zwingen wieder einzuschlafen... mit Tränen der Verzweiflung in den Augen... den die Hoffnung war verdorrt...
Sie hatte ihm jeden Funken genommen, nochmal fragen, das wäre wohl das letzte...
Diese Gänsehaut lief ihr von den Füßen bis in die letzten Haarspitzen.... das konnte er schon immer, sie dazu bringen das ihr Körper nach ihm dürstete... in solchen Momenten verfluchte sie den Tag an dem sie ihn ablitzen ließ.
Sicherlich war ihr die Freundschaft wichtig aber in solchen Zeiten sehnte sie sich nach ihm... nach seiner Nähe... danach das er,- und nur er- sie sanft in den Arm nehmen würde... In solchen Momenten verstand sie sich selbst nicht, ihr Handeln ihr Denken... und im Grunde sah sie ja auch keinen Grund mehr warum es keine Beziehung geben sollte... doch sagen konnte sie ihm das nicht... sie würde warten... auf den Tag an dem er sie nochmal fragen würde, denn darauf hoffte sie inständig....

©schepper

Mauerbau

Heiner saß mitten auf diesem belebten Platz und fing an zu Mauern.
Stein um Stein mauert er sich ein wenig mehr ein.
Dabei dachte er an die Zeit, die hinter ihm lag, an die Menschen die ihn begleitet hatten.
Er dachte an die Mauern, die früher sein Leben beherrschten, mit denen er sich damals eingemauert hatte, damals hatte er ein Fenster gelassen, so das die Leute noch herein schauen konnten, doch es war hoch und man musste sich schon anstrengen um einen Blick nach drinnen zu erhaschen. Damals waren Menschen gekommen, die sich die Mühe machten hinter diese Mauern zu schau'n, die ihm sagten das er zu wertvoll sei um hinter diesen Mauern dahin zu vegetieren, die ihm klar machten,- oder weiß machten?, das diese Mauern scheiße waren, das er so niemals Gemeindschaft mit Menschen haben könne und danach sehnte er sich damals, das musste er zugeben.
Zusammen mit diesen Menschen hatte er die Mauer zerstört, hatte sie geschleift,so dass nicht mehr davon übrig blieb.
Doch dann allmählich entzogen sie ihm das, warum er sich überreden ließ diese Mauern zu zerstören, die Gemeindschaft. Vielleicht wussten sie es nicht mal, waren einfach zu beschäftigt um sich um ihn zu kümmern, oder ließen sich von den Macken und Ecken seines Charakters abhalten, die erst sichtbar wurden nachdem diese Mauer fort war.
Heiner hatte lange darüber nachgedacht, was er jetzt machen sollte, in einer Welt die ihm so fremd war, in der er sich anpassen musste um nicht auch noch verlacht zu werden, in der so andere Werte galten, als hinter seinen Mauern. In der man nur selten wirklich so freundlich aufgenommen wurde wie sie es ihm erzählt hatten, in einer Welt, in der er schon beinahe dem Glauben erlegen war, das er denen die diese Mauern mit ihm zerstörten schon nichts mehr Wert war.
Sie hatten ihm vieles neues gezeigt, vielleicht genug um auch hinter den Mauern leben zu können, vielleicht genug um tschau zu sagen und einfach gegenüber all denen die ihn verletzten, ob sie's nun bewusst machten, was wohl eher nicht der Fall war,- oder unbewusst.
Aber diesmal würde er eine Tür lassen, den außerhalb der Mauern hatte er auch gelernt vertrauen zu fassen, und da waren ein paar Leute, die er sicherlich nicht ausgrenzen würde.
Und wer weiß,- vielleicht würde ja noch jemand kommen und ihm den nächsten Stein aus der Hand reißen....

©schepper

Der Schlag

Er ging über die Wiese... genoss den Regen auf der Haut... genoss den Wind der ihm ins Gesicht fuhr und dankte das erste Mal innigst für sein Leben, er konnte das erste mal diesen tiefen Dank empfinden... den er so noch nie wahrgenommen hatte.
Seine Gedanken vermengten sich mit neuen Erinnerungen damit das er nun endlich innerlich frei wahr... das ihm klar wurde das er keinem Menschen Rechenschaft ablegen musste... das es sich nicht lohnte zu hassen, zu wüten, oder zu trauern... er war endlich frei, befreit von aller Last. Er konnte die angrinsen, die etwas von ihm wollten, das Messer angrinsen mit dem er versucht hatte sich umzubringen und Schlaftabletten bräuchte er auch nicht mehr... er wusste das er nun neu anfangen müsste, das er seine "Freunde" vergessen musste, das sie ihn nicht nur im Stich lasseen würden sondern auch einen Hagel von Gerüchten und Lügengeschichten auf ihn schicken würden... aber das war ihm egal... er bräuchte nicht mehr so sein wie ihn alle haben wollten, er konnte das sein wofür ihn niemand verstand- abnormal... und das freute ihn... Er war frei wahrhaft frei- frei.. ein herrliches Wort!
Es war schwer für ihn gewesen die Tür zu öffnen, die Mauer einzureissen die um ihn Stand doch nun konnte ihm kein Mensch mehr etwas anhaben... er wusste sich behütet, geborgen, geliebt und nun traf ihn der Schlag, ein gleißendes Licht blendete ihm und er spührte die Hitze und die unbändige Kraft die durch ihn fuhr und ihm wurde bewusst das er nun auch noch die letzte Hürde überwinden würde... das letzte bisschen was ihn nun noch einschränkte würde er verlassen... seinen Körper... er konnte nun endlich das Leid verlassen, hinter sich lassen, er würde nun nie mehr Leid und Schmerz, Trauer und Sehnsucht erleben müssen... ihm war vergeben worden!
Noch ein letztes Mal zuckete sein Köper unter Schmerzen bevor er ihn verließ.

Es waren zwei Wochen vergangen bevor ein paar Pilzsammler ihn fanden in mitten einer kleinen Lichtung im tiefsten Wald. Die Tiere hatten ihn nicht unversehrt gelassen und doch war eines unübersehbar- das sanfte Lächeln hätte ihm nichts mehr nehmen können.

©schepper


Lebending

Er lebte noch. Er konnte es kaum glauben, aber er lebte tatsächlich noch. 4 Stockwerke hatte ihn von dem Asphalt getrennt. Vielleicht 2 Sekunden in denen er um sein Leben flehte- und es wurde ihm zuteil. Er stand auf und spürte keine Schmerzen, er sah kein Blut und keine Gliedmaßen gaben nach- es war ein Wunder!
Er fing an zu preisen und es war ihm egal, scheißegal was jetzt um ihn rum passierte. Es war ihm sogar egal, das derjenige, der ihn geschubst hatte am Bürgersteig auftauchte.

Es traf ihn absolute Verwirrung, eben noch in Mordabsicht den Stoß vollführt, und jetzt sprachlos, als er sein Opfer sah, freudestrahlend mit einem Loblied auf den Lippen über die Straße springend. Doch während die Leute anfingen sich um das Parkhaus zu scharen, unwissend was geschehen war, besonn er sich, und nahm einen kaputten Schirm auf, nicht ahnend was er sonst nutzen konnte und ging auf den Lobsänger los um seine Tat zu vollenden, der hob die Arme, ungehindert duch die Menschen, denn jene hatten den Vierzigtonner gesehen.

Er wunderte sich, warum auf dieser belebten Stadtstraße so viele Menschen standen, wenn gleich sie Platz machten, so das er nicht bremsen musste, und während er den Typ betrachtete, der auf der linken Spur scheinbar einen Freudentanz aufführte stieg fünf Meter vor ihm einer aus der Menge und während er scharf bremste, blieb diesem Typ nichts anderes, als den Stern zu betrachten, der gleich bleibenden Eindruck hinterlassen würde.

Kalter Stahl traf ihn Hart in die Seite, und er spürte seinen Linken Arm und einige Rippen brechen, bevor auf den Asphalt aufschlug.
Er schmeckte Blut und spürte wie es ebenso aus seiner Nase und seinen Ohren lief.
Das letzte was er noch wahrnahm war der Lobgesang seines Wiedersachers, desjenigen, dessen Blut seiner Meinung nach fließen sollte. Es klang wie hohn auf seinen Lippen, er wusste was jetzt kam.
...


©schepper

Ruhe

Es floss über seinen Ellenbogen, langsam ronn es an seinem Unteram herunter, aus einer nicht enden wollenden Quelle.
Es floss über seinen Handrücken um an seinem kleinen Finger zu stoppen. EinTropfen bildetet sich und ein Lichtrahl fing scih darin, kurz bevor er den Finger verließ um mit einem kaum hörbaren plätschern auf dem Fels zu zerplatzen. Ihm blieb nichts anderes, als dieses Spiel wieder und wieder zu betrachten.Ein letztes Mal versuchte er sich mit aller Kraft aufzubäumen, doch der Baum derauf seinem Oberarm lag war zu schwer. Ein weiterer Tropfen, noch einer, die Farbe war so herzhaft, so satt. Niemand der es ändern konnte, der in dieses verlassene Stück Erde kam. Er wurde müde und der Schmerz begann zu verblassen seine Augen wurden schwerer und fielen schließlich zu. Das letzte was er noch wahrnahm war das gleichmäßig plätschern seines eigenen Blutes.
Er fiel in einen tiefen Schlaf.

©schepper


Strand am Meer

Er geht durch die Welt wie jeden Tag, er beachtet nicht die Menschen, beachtet nicht die Blicke, sein Blick ist leer, er scheint ausgebrannt, ausgestoßen.
Doch er fällt nicht auf in dem Gewühl, viel zu viele leben die Tage vor sich hin, wandeln wie Zombies durch die Woche den Blick starr auf das Wochenende fixiert.
Sein Blick verweilt teils Minuten auf demselben Fleck…
Und von dem wenigen, das ihn aus seinen Gedanken reißt, sind es zumeist nur Reize, weibliche Reize.
Drogen, die seinen Alltag einzigartig machen könnten nimmt er nicht(mehr), zuviel ist verboten und er hat Angst vor Strafe.
So vieles regt ihn auf, aber er handelt nur mit Worten, er bewegt nicht viel.
Was gäbe er für eine Überraschung, aber stattdessen wird er weiter seine Absurdität des Alltags leben, wird weiter mit leerem Blick in Ubahnen steigen.
Er will raus dort, wieder heim, wieder Freunde wieder sehn, er will endlich wieder leben, doch weiß er nicht wie, findet keinen Weg da heraus zu brechen, keine Energie um mehr zu tun als tatenlos seine Tage zu bestreiten in der Hoffnung auf mehr.
Er setzt sich und plötzlich verschwimmt alles um ihn herum, die Konturen werden unklar, er findet sich wieder in einem riesigen See, nein es muss wohl ein Fjord sein, das Salzwasser brennt aus seiner trockenen Haut, und der salzig Geschmack reist ihn aus seinen Gedanken, er muss schwimmen wenn er das überleben will und so schwimmt er Richtung dem flachen Sandstrand, den er in ein paar hundert Metern zu seiner linken sieht, er schwimmt wie noch nie in seinem Leben, und doch weiß er nicht wieso, ist es der weiße Strand, mit den Palmen, oder ängstigt ihn das Meer? Will er nur faulhenzen, seine Ruhe haben oder was treibt ihn voran, Fische schwimmen an ihm vorbei, kleine, große und hin und wieder schwimmt er schneller oder auch mal große Bögen, um großen Schatten, oder einer aus dem Wasser ragenden Rückenflosse zu entkommen bzw. auszuweichen und hin und wieder kommt er dem Ufer näher, manchmal kann er schon die Muschelschalen am Strand erkennt, deren Perlmutt die Sonne spiegelt und ihn manchmal kurz blendet.
Und dann rückt das Ufer wieder in weite Ferne.
Auch gibt es scharfkantige Felsen, an denen er sich hin und wieder die schneidet, die ihm klaffende Wunden reißen die aber mit der Zeit wieder heilen, die meisten zumindest.
Nachdem er scheinbar schon eine Ewigkeit geschwommen ist kommt er auch mal auf die Idee zu tauchen und plötzlich zeigt sich ihm eine ganz andere Welt, er sieht, wie die Fische unter Wasser in den herrlichsten Farben leuchten, wie sich hunderte Korallen um ein wenig mehr Licht bekämpfen er bewundert diese Welt, und erst der Schmerz in seiner Brust macht ihm wieder bewusst, das das nicht seine Welt ist, das er auftauchen muss, um zu atmen, das er hier nicht auf Dauer leben kann. Er wird älter auf Dauer und endlich kommt er seinem Ziel näher doch gerade auf den letzen Metern versagt ihm seine Gesundheit ,- vielleicht war er doch zu oft zu lange unter Wasser geblieben. Er glaubt es kaum, doch kurz vor dem Ufer versagen ihm die Kräfte er sinkt und stirbt. Oder doch nicht, er erwacht am Strand, auf einer Liege, aber etwas ist mit ihm passiert, seine Narben, seine Wunden sind verschwunden.
„Aufwachen, Endstation!“
Verwundert steht er auf und geht aus der Bahn.

©schepper

Im Regen

Brennend heiß ergoss es sich über ihn. Er konnte er zusehen wie es seine Haut gleichzeitig begann Blasen zu schlagen und begann sich zu zersetzten, der Schmerz allein würde ihn bald umbringen. Aber er konnte sich nicht wehren, es schien, als ob jemand ständig nachgießen wurde, als ob diese Qual nie aufhören wurde, als würde jemand pures Leid über ihn gießen. Nein falsch, genau das war es- pures Leid, aber wie war das möglich?
Das Denken viel ihm schwer, als er merkte das seine Knochen schwach wurden und nach und nach brachen, erst sein rechtes Schienbein, wonach eine zentel Sekunde später auch sein Wadenbein nachgab, so das er bauchlings hinviel und beim Versuch sich abzustützen auch seinm linker Unterarm und mehrere Rippen in Trümmer gingen.
Er nahm nichts anderes mehr war als den Schmerz, den er aber nicht mehr den einzelnen Gliedern zuordnen konnte.
Sein Blick begann sich einzuengen und die Umrisse begannen zu verblassen.
Würde er die Augen schließen, so würde er auf nicht wieder aufwachen, nicht an diesem Ort, da war er sicher.
Wie beim Selbstmord, es wurde keine Probleme lösen, aber beenden.
Das das nicht so wäre war ihm bewusst.
Er begann neue Kraft zu schöpfen, in vollen Zügen, nicht von ihm, sondern von dem, der sie im gab.
Er war gesegnet und das begann er zu meken, die Kraft fuhr durch ihn, wie ein wohliges Kribbeln, das den Schmerz vollkommen verbannte.
Er stand auf und wunderte sich nicht, das sein Bein wieder stand hielt.
Sicher spührte er wie diese kochende, ätzende Flüssigkeit weiter über ihn lief, sie nahm ihm vieles von dem was er zu glauben brauchte, aber selbst wenn er mal wieder unklar sah, oder sogar ein Auge zukneifen musste um zu sehn wo er hinging, so wusste er das das nur kurzeitig war.
Die Narben blieben, zeichneten ihn, aber die Quelle, aus der er in vollen Maßen schöpfen darf geht nicht aus.
Und das wird sie nie, und dafür ist er so dankbar, das er auch die Schmerzen hin und wieder locker ertragen kann.
Ihm war alles geschenkt worden, was er zum leben brauchte.
Und noch eine ganze Ecke mehr.
Und dafür ist er mehr als dankbar.

©schepper

Gewalttat

Er saß in der letzten Reihe.
Wut im Bauch.
Adrenalin im Blut.
Er greift in die Tasche, in einen halbleeren Jogurtbecher.
Es ist ihm egal.
Er wühlt tiefer und findet die gesuchte Schachtel.
Monatelange Planung.
Ein Ratschen ist zu hören.
Manche drehen sich kurz herum, ignorieren es aber als der Lehrer weiter spricht.
Ein leises Klicken.
Er steigt auf den Tisch, hebt den Arm und schießt.
Angst liegt im Raum, die einen sind starr vor Angst, die andern schreien hysterisch und versuchen zu flüchten.
Ein zweiter Schuss. Er ruft, nein er brüllt, aber doch beherrscht:
„ Hier bleiben! Hinsetzen!“
Es wirkt sie setzen sich.
Alle Blicke liegen auf ihm. Er hasst es.
Aber es ist das letzte Mal, das allerletzte Mal!
„Ich will nicht so handeln wie ihr, also lasst mich endlich in Ruhe!“
Er legt die Waffe auf den Tisch.
„Ich will euch nie wieder sehn!“
Mittlerweile ist es ruhig in der Klasse.
Er geht Richtung Ausgangstür.
Er will noch „Auf Nimmer wieder sehn“ sagen, doch ein stechender Schmerz fährt durch seinen Körper.
Er hört noch den Schuss und er fragt sich, warum er das ganze Magazin aufmunitioniert hat.
„Stirb du sadistisches Schwein!“ - das ist das Letzte was er hört.
Blut schmeckt nach Kupfer.
Aber das wusste er auch vorher schon.

„Wieder ein Amoklauf“
„Endlich hat’s mal den Amokläufer erwischt!“
„Sind unsere Kinder noch zu retten?“

Das waren nur drei der Schlagzeilen die man am nächsten Tag in der Presse lesen konnte und sie hatten alle eines gemein, - die Frage danach warum denn ein „Held“ in U-Haft saß.
Nur ein anonymes Kommentar in der Schülerzeitung lautete wie folgt:
„Ich trauere und ich schäme mich für meine Klassenkameraden. Es sollte kein Blut fließen, aber ihr habt eure Chance genutzt und fragt euch immer noch nach dem Warum. Öffnet die Augen, denn solange ihr die wahren Gründe nicht sehen wollt- solange wird es wieder zu so etwas kommen.“

©schepper

Der Spieß

Er zieht den Schaschlickspieß ganz langsam wieder heraus, aus einem Herzen...
Und er fragt sich, ob er das nicht schon gemacht hatte, vor ein paar Tagen nur, nachdem er gerafft hatte, das er da war, das er nicht nur schmerzhaft war, sondern auch handlungsunfähig machte... Viele seiner Gedanken drehten sich um diesen Spieß... und doch konnte er ihn nicht klar sehen, nicht ahnen, was hinter diesem Schmerz steckte... und jetzt war er wieder da, an genau der Stelle, an der er schon ne halbe Ewigkeit war, als gehöre er einfach dazu, als sei er nie dazu gemacht worden etwas aufzuspießen, sondern nur um in dieser Wunde zu stecken.... Und wer weiß, -war er nicht wichtig, konnte das ganze Herz überhaupt ohne ihn weiterschlagen, nachdem es dieses mittlerweile gelernt hatte, konnte es nicht sein, dass es wie ein verlertzter Lungenflügel einfach in sich zusammenfallen würde?
Und er war sich immer noch nicht sicher, ob nicht er es war, der ihn früher dort hineingestochen hatte... um nicht am Ende eine andere, darunter liegende Wunde zu verschließen? Und war er es vielleicht selber, der ihn wieder dahingesteckt hatte?
Er stockt... denkt weiter darüber nach... um dann den Versuch zu starten ihn mit einem Ruck endgültig zu entfernen...
Ein neuer, plötzlich auftretender, sehr heftiger Schmerz strahlt in seinen ganzen Körper aus und einen Moment lang wird ihm schwindelig...
Er bekommt Angst,- ist dieß der Schmerz, der ihn mit dieser Welt verbindet?
Wäre es das Ende, oder eine neuer Anfang?
Er würde etwas verlieren, was er lange liebte, was er lange sehr hoch geschätzt hatt...
Aber so will er nicht weiter leben....
Er gibt sich einen weitaus stärkeren Ruck.....

©schepper

Sein Stern

Er liegt auf dem Rücken und betrachtet die Wolken.
Aber in Gedanken ist er wo anders.
Lange braune Haare hat sie.
Ihre rehbraunen Augen passen zu dem sanftmütigen Lächeln.
Um ihren schmalen Hals trägt sie eine Kette, nein wohl eher ein Lederriemen.
Doch der Anhänger bleibt verborgen.
Gern würde er seinen Kopf auf ihren samtweichen Bauch legen.
Oder ihre Füße kitzeln.
Oder sanft über ihren Oberschenkel streichen.
Oder ihr sonst Nahe sein.

Doch eben dies wird er nicht tun.
Sie würde es nicht wollen.
Sie würde ihn abweisen, wie es all die anderen Taten.

Seine Hoffnung ist verdorrt.
Sein Stern verglüht.

Bestraft mit immer währender Einsamkeit.
Aber wenigstens kann er noch Träumen….
Das wird ihm niemand nehmen können.

© schepper

Lichbar

Eine einsame Schneeflocke verirrt sich in ihr Haare.
Es wird heute nicht die letzte bleiben.
Sie schlendert scheinbar ziellos durch die kalte Winternacht.
Doch die Kälte kann siedruch den warmen Mantel nicht fassen.
Sie genießt es wenn sie scharf die Kalte Luft einatmet,
wenn sie im Mondschein ihren eigenen Atem sieht.
Sie zündet sich eine Zigarette an.
Ein einzelner Glutpunkt mitten in dieser Landschaft, weithin sichtbar und doch ungesehn.
Es tut gut wie sich ihre Lungen mit dem wohlbekannten füllen.
Sie nimmt noch einen tieferen Zug und schipst die Kippe in den Schnee.
Heute nicht, sie wollte es eigentlich gar nicht, vielleicht unterstreicht das nur die
Gewissheit, die Akzeptanz dessen was sie nicht verhindern kann.
Es ist vorbei, es war schon lange vorbei, doch jetzt spührt sie den Schmerz, der in ihr wächst.
Langsam nimmt er den Raum immer mehr.
Andere Gedanken zu fasssen fällt ihr schwer.
Sie weiß es.
Sie kennt es
Alte Wunden, wieder neu geöffnet.
Sie hasst es.
Ist da keiner, der sie liebt, der sie wirklich gern hat, der nicht nur ihren Körper begehrt?
Sie will die Kälte nicht mehr ausschließen.
Sie zieht ihre Stiefel aus und setzt ihre nackten Füße in den Schnee.
Der Schmerz breitet sich aus, fordert sie die Füße zu bewegen, fordert, das sie schreit, das sie springt, doch sie geht nur langsam ein paar Meter.
Sie lebt noch, das is alles was ihr bleibt.
Doch ist es das wert?
"Vater ist es das wert?" ruft sie in die Nacht.
In Tänen sackt sie auf die Knie.
Lautlos beobachtet sie wie die Tränen Löcher in den Schnee reißen.
Sie fallen tief und doch gefrieren sie auf ihrem Weg.
Sie steht langsam wieder auf, und wischt die letzten paar Tränen aus dem Gesicht und zieht die Stiefel wieder an, doch die Kälte bleibt vorerst.
Nur ganz langsam kommt das Gefühl zurück in ihre Füße, und der Schmerz schwillt an.
Sie hat noch einen weiten Weg vor sich.
Doch als sie gerade losgehen will sieht sie einen Schein der sich von hinten nähert.
Sie dreht sich um, doch ist vorerst geblendet durch den Schein.
Erst nach und nach erkennt sie ein kleines Mädchen das auf sie zurennt.
Sie trägt ein kleines Windlicht bei sich.
Nach Luft ringend kommt die Kleine an und hält es ihr hin.
"Ein Licht das dir dern Weg leuchten kann" keucht sie, "Ich schenke es dir"
Mehr bringt sie nicht über die Lippen, sondern verfällt in einen kurzen Hustenanfall.
Sie nimmt es entgegen und im nächsten Moment kommt die Mutter der Kleinen und zerrt sie schimpfend wieder in Richtung des Dorfes.
"Danke", mehr kann sie nicht sagen.
Verwirrt sieht sie kleine Flamme an.
Sie dreht sich um und macht sich wieder auf den Weg.
'Danke!'

©schepper

Angbar

Johanna konnte ihren Augen nicht traun. Da stand er vor ihr. Obwohl sie nur seine Umrisse im schwachen Mondlich wahrnehmen konnte, wusste sie beinahe sofort das es ein Wolf war. Aber seine Körpergröße unterschied sich sich deutlich von denen, die sie im Zoo gesehen hatte. Er war noch ein gutes Stück größer. Sie hatte nicht bemerkt das er sich ihr oder sie sich ihm genähert hatte. Angst stieg in ihr auf und ließ sie erstarren.
Seine Augen funkelten im schwachen Mondschein, aber er bewegte sich nicht.
Plötzlich, ohne jeglichen erkennbaren Grund wich jegliche Angst von ihr.
' Wenn es so sein soll, soll es halt so sein.'
Irgendetwas, aus den dunlen Teifen ihres Herzes griff plötzlich nach ihr und sie lies es zu, ließ sich von ihr leiten.
Sie tat einen Schritt in Richtung des Wokfes.
Ein tiefes langezogenes Knurren kam ihr als Antwort entgegen.
'Dann ist es vorbei, noch einmal Schmerzen und dann nie wieder.'
Sie ging einen weiteren Schritt.
Ein erneutes und und lauteres Knurren war diesmal die Antwort, aber dennoch wich der Schatten ein Stück zurück.
Ein vereinzelter Strahl des Mondlichts brach sich durch die Baumkronen und offenbarte ihr einen riesigen Kiefer gespickt mit nadelspitzen Zähnen.
Sie würden sich gleich um ihre Kehle schließen,- diese Gewissheit beruhigte sie.
In Gedanken schloss sie ab, mit Benni, mit ihren Eltern, mit ihrem Schmerz.
Mit einem Lächeln auf den Lippen tat sie den nächsten Schrit und noch einen weiteren.
Sie stand jetzt direkt vor ihm und sah ihm in die Augen.
Doch was sie ihn ihrern lesen konnte erschrak sie, da war keine Mordlust, keine Vorfreude auf das nächste Mahl, alles was sie sah war Furcht.
Reflexartig wollte sie ihn streicheln, als sei er nur ein verängstigter Hund.
Und noch ehe sie begriff was geschah hatte er sie schon in die Hand gebissen und der Wolf war auf und davon.
Als sie wieder einen klaren Gedanken fassen konnte starrte sie ihre Hand an. Nur eine feine Linie von schwarzen Punkten zeugten von dem Biss. Er hatte beiweitem nicht mit voller Kraft zugebissen, eher im Gegenteil sie nur gekniffen.
Und dennoch mischten sich die Punkte zu einer Linie die den Ringfinger hinabfloss und an seiner Spitze einen einzelnen Tropfen bildete, der scheinbar in Zeitlupe in den Schnee fiel.
Ganz langsam begann sie den Schmerz zu spüren und mit ihm kehrte das Leben in sie zurück. 'Vielleicht war es doch nicht so gut das Licht zu löschen' dachte sie.
Dann zog sie ein kleines Windlicht hervor, entzündete es und setzte ihren Weg fort.

©schepper

Ohne mich

Er ging einen langen Flur entlang.
Niemand kreutzte seinen Weg, niemand schlug eine Tür vor ihm auf oder zu. Das Gebäude schien verlassen. Aber etwas war falsch, es roch nach frisch gebackenem Brot, irgendwo lief leise ein Radio, woanders pfiff ein alter Teekessel.
Die Vögel zwitscherten als sei nichts geschehn. Aber die Türen standen weit offen und mehr als eine von ihnen war eingetreten.
Irgendwo loderte ein Feuer, das Prasseln wurde lauter.
Eine kleine Katze humpelte um die Ecke, sie bot einen schrecklichen Anblick; ihr Rücken war blutüberströmt und ihre rechte Forderpfote war scheinbar gebrochen.
Ein Teddybär lag auf dem Weg, er ging ein paar Schitte und hob ihn auf. Er sah ihn sich genauer an, es war ein handgenähter Teddy und offenbar war er schon mehrmals geflickt worden.
Er kannte solche Teddys. In diesem Krieg machte die Not nicht nur erfinderisch wenn es darum ging seinem Kind ein Spielzeug zu basteln.
Der Krieg war hier und jetzt für ihn vorbei. Er würde niemandem mehr ein Leid antun, das schwör er sich. Mit ein bisschen Glück würde er nur im Knast enden anstatt an einer Wand mit einer Kugel im Kopf, aber das war ihm egal. Seine Schmerzgrenze war überschritten, diese Gewaltspirale wollte er nicht weiter füttern. Nie mehr.
Er ging zum nächstgelegenen Bombenkrater und warf seine Waffen hinein, die letzte Granate die er hineinwarf machte er vorher scharf. Er würde niemanden mehr erschießen, das war für ihn durch. Ein lächeln zog sich über sein Gesicht, so schwer war es gar nicht den Krieg zu beenden. Man musste einfach aufhören zu kämpfen, zu verwunden, zu verletzen.
Im weggehen spürte er wie ein Granatensplitter an seinem Ohr vorbei zog und sein Grinsen wurde breiter- diese Granate würde niemanden mehr töten können....

©schepper

Unterhaltung zwischen Jesus und Satan

Eines Tages hatten Satan und Jesus eine Unterhaltung. Satan kam gerade vom Garten Eden zurück. Er war hämisch und prahlerisch und sagte zu Jesus: "Ja, ich habe gerade die ganze Welt voller Menschen gefangen. Ich setzte meine Falle und verwendete einen Köder, von dem ich wusste: Sie können nicht wiederstehen. Ich hab sie alle erwischt!"
"Was wirst du mit ihnen tun?" fragte Jesus.
Satan antwortete: "Ich werde richtig Spaß haben mit denen! Ich werde sie lehren, wie man heiratet und sich voneinander scheidet, wie man sich hasst und gegenseitig missbraucht, wie man trinkt und flucht. Ich werde sie lehren, wie man Schusswaffen und Bomben erfindet und sich gegenseitig umbringt. Ich werde Spaß haben!"
"Und wa wirst du tun, wenn du mit ihnen fertig bist?"fragte Jesus.
"Ich werde sie töten!" antwortete Satan stolz.
"Wie viel möchtest du für diese Menschen?" fragte Jesus.
"Nein vergisss es",antwortete Satan,"sie sind zu nichts gut. Sie würden dich sowieso nur missbrauchen und hassen. Sie würden dich anspucken, dich verfluchen und dich töten! Du möchtest diese Menschen nicht wirklich!"
"Wie viel?" fragte Jesus ein zweites Mal.
Satan schaute auf Jesus und sagte hönisch:" Alle deine Tränen und dein ganze Blut."
Jesus sagte "Abgemacht!" Und er bezahlte den Preis.

(nach Hans Peter Royer Dunkler als die Finsternis heller als Licht)


Im Sturm

Durch den Sturm sieht man nur die Schemen.
Da steht auf einem Felsen ein Mann.
Er ist dem Sturm ausgeliefert, keine Bäume oder Büsche schützen ihn, zu allen Seiten fällt der Fels steil ab.
Man kann nur wenige Zentimeter weit sehen, zu sehr peitscht der Wind den Regen durch die Luft.
Es fühlt sich an als ob es Hagelt und es ist kalt.
Und der Mann steht dort und reißt an den Ketten die ihn mit dem Felsen verbinden.
Durch den Sturm hört man gerade noch das brechen von Holz poltern von Steinen und Felsen.
Etwas festes trifft ihn, es war zu schnell um zu sagen was es war.
Er ist ausgeliefert.
Er ist schwach.
Er fällt auf die Knie.
Die Welt scheint zu schwinden.
Der Fels bleibt er steht fest.
Der Stürm verwüstet die ganze Region.
Lawienen aus Stein und Geröll, aus geborstenem Holz und schlammiger Erde gehen um ihn herum ab-leise hört er das Dröhnen durch den Sturm.
Sei stoßen auch an den Fels, rollen um ihn herum an ihm vorbei, aber er wankt nicht.
Langsam legt sich der Sturm.
Die Sicht wird besser.
Und erst jetzt sieht er die ganze Zerstörung, kein Stein ist auf dem andern geblieben.
Kein Baum steht mehr und der Boden ist nur noch ein wirwar aus umgeknickten Bäumen, Schlamm und Geröll.
Aber der Fels steht fest.
Er lockert den Griff um die Ketten.
Der nächste Stürm bildet sich schon wieder am Horizont.
Er weiß er brauch keine Angst haben.
Der Fels bleibt fest.
Er wird nicht brechen.
Er wird sich nicht lösen und solange er sich an ihm fest hält kann ihm nichts auf dieser Welt passieren.


©schepper

hier
könnt ihr was dazu sagen wenn ihr denn möchtet.